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A coaching session in progress

25 Projektive Verfahren für Training und Coaching

Von Gastautoren: Aleksandra Petrova und Adrià Balcázar Castell

Organisation: Vorstand der Europäischen Studenten der Technologie


 Als Coach ist es wichtig, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Menschen sicher fühlen und offen sprechen können. In der Interaktion mit anderen fällt es vielen jedoch schwer, sich verletzlich zu zeigen und ihre innersten Gedanken und Gefühle auszudrücken.


In diesem Blogbeitrag geht es um verschiedene projektive Methoden, mit denen du Erfahrungen deiner Klient:innen sichtbarer machen und Gespräche auf eine tiefere Ebene bringen kannst.


Für diesen Artikel konnten wir auf das Wissen unserer Gastautor:innen und erfahrenen Soft-Skill-Trainer Alex und Adri zurückgreifen. Mit ihrer langjährigen Erfahrung geben sie Impulse, wie du tiefere Verbindungen aufbauen und Gespräche mit mehr Tiefe führen kannst.


Zusammenfassung

Projektive Methoden sind Verfahren, die den Einblick in die Gedanken einer Person erleichtern, indem man sie frei auf mehrdeutige Reize (Karten, Würfel, Zeichnungen, Musik usw.) reagieren lässt. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass Menschen, die mit unstrukturierten oder mehrdeutigen Reizen konfrontiert werden, bei ihrem Versuch, das Material zu strukturieren, Aspekte ihrer Persönlichkeit preisgeben. Während der Schulung lernen die Teilnehmer:innen, wie sie eine Vielzahl von Methoden in ihrem Training einsetzen können, in welchem Kontext und wie sie bei den Aktivitäten, die sie in ihren Sessions einsetzen, kreativ werden können.


Was sind Projektive Verfahren?

Projektive Verfahren sind Techniken, die eine relativ unstrukturierte Aufgabe anbieten, um die Lernenden dazu zu bringen, einem Stimulus eine Bedeutung zuzuordnen.


Im Training bedeutet das, dass man einen mehrdeutigen oder vage definierten Reiz verwendet und nach einer einigermaßen freien Antwort fragt. Bei der Bedeutungszuweisung kann der/die Lernende seine/ihre Gedanken oder Gefühle klären oder ausdrücken, persönliche Erfahrungen einordnen oder komplexe Ideen mitteilen.


Der Begriff stammt ursprünglich aus der Psychologie und wir haben ihn für die Ausbildung angepasst. Das Ziel in der Ausbildung ist es keineswegs, mit den Verfahren Informationen über die Persönlichkeit der Lernenden zu erhalten oder sie in irgendeiner Form zu studieren.


Die Idee hinter dem Einsatz solcher Techniken ist es, die Trainingserfahrung für die Lernenden zu verbessern und ihnen ein Werkzeug an die Hand zu geben, das ihnen helfen kann, ihre Gedanken oder Gefühle zu klären oder auszudrücken, sich mit einer Erfahrung zu verbinden oder komplexe Ideen besser zu vermitteln.

Klassifizierung der projektiven Techniken

Obwohl viele der projektiven Verfahren mit unterschiedlichen Zielen eingesetzt werden können, klassifizieren wir sie hier nach der Handlung, die der Lernende bei der Anwendung der projektiven Methode ausführen muss.


In jeder der Kategorien haben wir einige Hilfsmittel hinzugefügt, die als Beispiele verwendet werden können. Beachte, dass viele Hilfsmittel in mehr als einer Kategorie verwendet werden können, daher sollten die Beispiele als solche verstanden werden und nicht als Klassifizierung der Hilfsmittel. Bitte bedenke, dass dies nicht die endgültige Liste ist und deine Kreativität hier mehr als willkommen ist.

Vervollständigung

Bei dieser Methode erhalten die Lernenden ein unvollständiges Produkt, das sie eigenständig ergänzen. Die Ergänzung soll dabei nachvollziehbar und sinnvoll sein – sie orientiert sich an klaren, logischen oder gestalterischen Prinzipien.

Galgenmännchen

Dieses einfache Spiel kennen viele noch aus der Kindheit. Es lässt sich gut einsetzen, um theoretische Inhalte mit Kategorien oder Konzepten aufzulockern. Lass die Lernenden raten, welches Konzept du gleich vorstellen wirst – so bleiben sie aktiv und aufmerksam.

Avatar

Ein Beispiel für den Einsatz eines Avatars: Die Lernenden erhalten eine einfache gezeichnete Figur, die sie ergänzen sollen – basierend auf ihren Erfahrungen oder ihrer Wahrnehmung des Themas. So entsteht ein Zugang zu ihren Eindrücken, Zweifeln oder Ängsten, ohne dass direkt nach sensiblen Inhalten gefragt werden muss.

Satzstarter

Ein weiteres Hilfsmittel, das das Verständnis oder die Präsentation von Theorie erleichtert. Es kann auch verwendet werden, um den Lernenden eine Aufforderung zu geben, zu der sie etwas Persönliches, wie z. B. eine Erfahrung, mitteilen können. Ein Beispielsatz dafür kann sein: Das letzte Mal, als ich vor einem Publikum präsentieren musste... Dieses Tool kann auch dabei helfen, das Ziel der Übung leichter zu verstehen – der Satzstarter zeigt den Lernenden genau, was sie sagen oder schreiben sollen.

Konstruktion

Konstruktionsmethoden fordern Lernende dazu auf, über eine einfache Assoziation zu einem Reiz hinauszugehen und ein eigenständiges, komplexeres Produkt zu schaffen – etwa eine vollständige künstlerische Ausdrucksform wie eine Geschichte oder ein Bild.

Story Cubes

Ein wirkungsvolles Werkzeug, um Lernende zum Erzählen oder Schreiben einer Geschichte zu inspirieren. Wenn mehrere Würfel im Einsatz sind, kann jeder eine eigene Funktion übernehmen – zum Beispiel für die Hauptfigur, den Ort, die Handlung oder weitere Elemente der Geschichte.

Zeichnen

Hier erhalten Teilnehmende die Aufgabe, eine Vorgabe der Trainer:in visuell darzustellen. Wenn Zeichnen mit dem Ziel der Konstruktion eingesetzt wird, steht das Ergebnis im Fokus. Achte daher beim Auswerten darauf, was im Bild konkret zu sehen ist: Jede Form, jede Linie wurde bewusst gewählt und hat eine Bedeutung. Das unterscheidet sich vom Zeichnen zur freien Expression, wie unten beschrieben.

Bilder von vagen Szenen

Solche Bilder eignen sich gut, um Geschichten zu entwickeln. Sie geben Impulse – etwa durch sichtbare Elemente wie Ort, Figur oder Stimmung. Eine Geschichte kann aber auch aus der Reaktion der Lernenden entstehen: ihren Emotionen beim Betrachten, der wahrgenommenen Atmosphäre oder ihrer persönlichen Deutung der Szene(n).

Auswahl / Anordnung

Bei dieser Methode wählen die Lernenden aus mehreren Elementen aus oder bringen sie in eine Reihenfolge – je nach einem bestimmten Kriterium wie Sinnhaftigkeit, Relevanz oder persönlicher Wirkung.

Kiste mit Objekten

Wenn du einem Lernenden eine Kiste mit Gegenständen gibst, kannst du sowohl Auswahl- als auch Ordnungsaufgaben damit verbinden. Dabei wird der Tastsinn einbezogen – und die Lernenden kommen direkt mit den Objekten in Kontakt. Besonders wirkungsvoll ist das, wenn die Gegenstände thematisch zur Einheit oder Veranstaltung passen.

Dixit-Karten, Postkarten, Bildanordnung

Die Lernenden wählen hier aus einer Reihe von Bildern – etwa Dixit-Karten, Postkarten oder Fotos – um eine Frage zu beantworten. Die Auswahl kann aus Identifikation mit einem Bild entstehen oder aus einer spontanen Reaktion darauf. Wichtig ist, im Anschluss nachzufragen, warum sie sich genau für dieses Bild entschieden haben.

Bei der Anordnung von mehreren Bildern können die Lernenden Abläufe oder Entwicklungen darstellen. Nach einer emotionalen Übung kann diese Methode etwa im Debriefing genutzt werden, um sichtbar zu machen, wie sich ihre Emotionen im Verlauf verändert haben.

Dobble

Das ist ein Kinderspiel mit Karten, die einfache, kleine Bilder zeigen. Die Lernenden erhalten einen Impuls und sollen anschließend genau ein Bild auswählen.

Stichsäge

Puzzles eignen sich gut, um den Ordnungsaspekt dieser Methode umzusetzen. Das fertige Bild kann als Impuls dienen – idealerweise ist es mehrdeutig oder offen interpretierbar. Alternativ kann jedes einzelne Puzzleteil eine eigene Aufforderung enthalten. Die Lernenden entscheiden dann selbst, in welcher Reihenfolge sie darauf reagieren und setzen das Puzzle entsprechend zusammen.

Expression

Bei Tools aus dem Bereich Expression steht die Art und Weise der Darstellung im Mittelpunkt – oft sogar mehr als das Ergebnis selbst. Ziel ist es, Räume für Selbstwahrnehmung, Reflexion und persönlichen Ausdruck zu öffnen. Eine beurteilungsfreie Atmosphäre ist dabei entscheidend.

Gerade wenn Lernende schüchtern sind oder sich im gewählten Ausdrucksmedium unsicher fühlen, ist es wichtig, den Fokus auf den Prozess zu legen. Das nimmt den Druck vom Ergebnis und erleichtert den Zugang zur Methode.

Zeichnung

Schon die Aufforderung zu zeichnen kann einen anderen Lernprozess auslösen als Sprechen oder Schreiben. Manche Lernende überwinden dadurch verbale Hemmungen und finden einen freieren Ausdruck. Zeichnen fördert oft eine tiefere Reflexion, weil Gedanken visuell, langsamer und weniger linear verarbeitet werden. Wenn du die Übung mit den Lernenden reflektierst, lenke die Aufmerksamkeit auf den Prozess: Was haben sie beim Zeichnen erlebt, gedacht oder gefühlt? Bewerte das Ergebnis nicht – bei Expression steht nicht das Produkt im Mittelpunkt.

Tanzen

Eine ganz andere Form, um etwas zu verarbeiten und auszudrücken. Dabei setzen die Lernenden ihren ganzen Körper als Kommunikationsmittel ein – das kann zu überraschenden und sehr persönlichen Ergebnissen führen.


Weil Tanzen vor anderen oft als intensiv und verletzlich empfunden wird, kann es helfen, die Augen während der Übung geschlossen zu halten (oder bei Online-Sessions die Kamera auszuschalten), um einen geschützten Raum zu schaffen.

Musik machen

Musikmachen kann viele Formen annehmen – vom Schreiben von Texten bis zum Erfinden von Melodien, von Akkorden bis zu Rhythmen. Es kann auch eine gemeinsame Ausdrucksform sein, bei der verschiedene Rollen zusammenwirken. Im entstehenden Gesamtwerk spiegelt sich der Beitrag jedes Einzelnen wider – und schafft Verbindung in der Gruppe.


Karten mit Gesichtern

Gesichterkarten bieten eine Möglichkeit, über Emotionen zu reflektieren und sie auszudrücken. Wenn die Lernenden lediglich eine Karte aus einer Auswahl wählen, fällt die Methode unter „Auswahl / Anordnung“.

Werden die Karten jedoch als Impuls genutzt, um Gesichtsausdrücke nachzuahmen, eigene darzustellen oder frei dazu zu zeichnen, entsteht Raum für individuelle Expression.

Assozitation

Assoziationswerkzeuge zielen darauf ab, spontane Reaktionen auszulösen und bewusstes Nachdenken in den Hintergrund zu stellen. Die Lernenden sollen nicht überlegen, sondern unmittelbar auf einen Impuls reagieren. So entstehen oft unerwartete Verbindungen – zwischen Themen, Konzepten und den eigenen Erfahrungen.

Trigger-Wörter

Wortassoziationen gehören zu den bekanntesten Techniken dieser Kategorie. Als Impulse eignen sich zentrale Begriffe aus der Session. Die Reaktionen der Lernenden können Aufschluss über ihr Vorwissen, ihre Gedanken oder Überzeugungen zum Thema geben.

Gleichzeitig hilft die Methode dabei, Verbindungen zwischen dem Lerninhalt und anderen Lebensbereichen der Lernenden sichtbar zu machen.

Tabu

Das Spiel Tabu fordert vom Erklärenden viel Denkarbeit und von den Ratenden schnelle Assoziationen. Es eignet sich gut zur Wiederholung von Inhalten, zum Herstellen von Verbindungen oder auch als kreative Methode zur Einführung neuer Begriffe.

Dazu gibst du einer Person einen Begriff, lässt die Gruppe das Spiel spielen und nutzt das Ergebnis anschließend als Einstieg in die inhaltliche Vertiefung. Dann ist der nächste Begriff und die nächste Person an der Reihe.


Klänge

Klänge lassen sich ähnlich wie Trigger-Wörter einsetzen – nur dass hier ein Geräusch oder ein Musikstück den Impuls gibt. Da Klänge nicht sprachgebunden sind, zeigen sich oft spannende Unterschiede in den ersten Assoziationen der Lernenden.

Ein Gedicht vortragen

Gedichte mit einem vertrauten Thema oder einer bekannten Struktur können als Impuls für Assoziationen dienen. So kann zum Beispiel der Rückblick auf eine vorherige Einheit in Gedichtform zusammengefasst und zu Beginn der nächsten Session vorgelesen werden.

Anschließend notieren die Lernenden die Worte, die ihnen spontan in den Sinn kommen. Diese Begriffe spiegeln ihre persönliche Wahrnehmung der vorherigen Erfahrung wider – ausgelöst durch den poetischen Rückblick.

Karten mit einfachen Bildern

Einfache Zeichnungen lassen vieles offen und bieten viele Anknüpfungspunkte. Sie zeigen meist klare, alltägliche Motive, mit denen alle etwas anfangen können. So eignen sie sich gut als Brücke zu komplexeren Themen oder als Einstieg in Gespräche.

Postkarten

Postkarten sind meist vielschichtiger als einfache Bildkarten und können starke Assoziationen auslösen. Eine kurze Auswahl kann bei Lernenden bestimmte Begriffe oder Eindrücke hervorrufen, die du anschließend gemeinsam vertiefen kannst.

Damit die Methode gut funktioniert, sollten die Karten thematisch zusammenpassen – etwa alle Szenen von Teamarbeit zeigen. Die spontane Reaktion der Lernenden gibt dabei Einblick in ihre Wahrnehmung oder Haltung zum jeweiligen Thema.

Ressourcen

In unserem Shop findest du verschiedene Tools, mit denen du Projektive Verfahren in deinem Coaching einsetzen kannst.

Du kannst auch unser kostenloses „Methoden e-Book“ herunterladen, um eine Vielzahl von verschiedenen Eisbrechern und Coaching-Interventionen zu erhalten, die auf projektiven Techniken basieren.

Was du bei projektiven Techniken beachten solltest

  1. Projektive Techniken sind keine Form von spielbasiertem Lernen  – sie verfolgen ein anderes Ziel. Wenn du projektive Methoden einsetzt, sollte sich das Ziel deiner Übung nicht verändern. Stattdessen fügst du der Erfahrung eine zusätzliche Ebene hinzu.
  2. Projektive Techniken sollten immer als offene Übungen eingesetzt werden – das bedeutet: Es gibt kein richtig oder falsch und keine einzig „richtige“ Antwort. Die Lernenden brauchen die Sicherheit, dass ihre Reaktion passend und relevant für den jeweiligen Impuls ist.
  3. Einige dieser Tools machen viel Spaß – was großartig ist, solange der Fokus erhalten bleibt.. Wird der spielerische Aspekt zu dominant, kann es passieren, dass die Lernenden vom eigentlichen Thema abgelenkt werden. Achte daher immer auf deine Zielgruppe und darauf, was möglicherweise (zu) stark ablenkt.
  4. Ein weiteres häufiges Hindernis ist der erste Kontakt mit einem neuen Tool: Wenn die Methode oder die Anleitung unklar ist, entsteht schnell Verwirrung. . . Die Anweisungen sollten daher kurz, klar und leicht umsetzbar sein. Wenn das Tool mehrere Seiten oder Zusatzinfos enthält, die für die projektive Methode nicht relevant sind, mach deutlich, welcher Teil verwendet werden soll.

Beginne noch heute damit, deine Klient:innen zu stärken, indem du Projektive Verfahren mit den metaFox Coaching Tools anwendest!


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